Die Beschäftigung mit dem EUROPASS der Europäischen Union lohnt sich – auch unter (berufs)pädagogischen Gesichtspunkten!Bildungs- und Ausbildungssysteme sind in Europa sehr unterschiedlich organisiert und definiert. Deshalb müssen für Bewerbungen z.B. im Ausland die eigenen Kompetenzen und Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber klar verständlich und in allgemein nachvollziehbarer Form ausgewiesen und beschrieben werden. Der EUROPASS macht berufliche Biografien und Qualifikationen transparentHier setzt der im Jahr 2005 eingeführte EUROPASS an. Sein Ziel ist eine europaweit einheitliche und verständliche Beschreibung des individuellen Kompetenzprofils von Arbeitnehmern – unabhängig davon, ob diese Kompetenzen in formalen Bildungsgängen oder informell (z. B. durch berufliche Tätigkeiten) erworben wurden. Der EUROPASS wird von der EU als zentrales Informations- und Dokumentationsinstrument der (gesamten) beruflichen Mobilität (für Auszubildende in der beruflichen Erstausbildung, junge Arbeitnehmer usw.) definiert. Der EUROPASS dokumentiert keine von einer zentralen Stelle ausgegebenen Standardinformationen, sondern umschreibt vielmehr das persönliche Profil seines Inhabers in fünf Dokumenten: - Der „Europäische Lebenslauf“ gibt nach einheitlicher Struktur Auskunft über die beruflichen Stationen des Arbeitnehmers und einige weitere persönliche Daten. - Die „Zeugniserläuterung“ gibt ergänzende Informationen über den bescheinigten Bildungsgang. Die erworbenen Kompetenzen werden eingeordnet in den Qualifikationsrahmen, und es werden Hinweise darauf gegeben, welche Bildungsmaßnahmen als Fortsetzungen für beruflichen Kompetenzerwerb angesehen werden. - Der „Mobilitätsnachweis“ erfasst die im Ausland verbrachten Qualifizierungsabschnitte und die dort jeweils erworbenen Kompetenzen. - Der „Diplomzusatz“ enthält spezifische Information über Hochschul-Bildungsgänge. - Im „Sprachen-Portfolio“ werden speziell Fremdsprachen-Kompetenzen erfasst. Dies geschieht standardisiert nach dem „European Framework for Languages“, einem im Auftrag des Europarates entwickelten Bewertungsschema in sechs Stufen, das auch die Grundlage für das Fremdsprachen-Zertifikat der KMK bildet. Was bringt der EUROPASS für Schülerinnen und Schüler an Berufskollegs?Für die Schülerinnen und Schüler an Berufskollegs stellt der EUROPASS in erster Linie eine Gelegenheit dar, um mit Hilfe eines formal anerkannten Dokumentes ihre individuelle Bewerbungsmappe ansprechend zu gestalten und so die eigene Berufsbiografie klar und europaweit verständlich darzustellen. Dies hilft ihnen, ihre Erfahrungen und Kompetenzen zu dokumentieren, und verschafft ihnen einen wichtigen Vorteil gegenüber Mitbewerbern ohne dieses Dokument. Zudem wird die Persönlichkeitsbildung durch die Selbstüberprüfung und die Darstellung der eigenen Fähigkeiten maßgeblich gefördert. Trotz der notwendigen Standardisierung bietet der EUROPASS eine Vielzahl von Möglichkeiten, die jeweiligen Begabungen und Bildungsabschlüsse in individueller Form darzustellen. So wird durch das Einfügen besonderer Qualifikationen und Kompetenzen – beispielsweise Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse mit Vertiefungsgrad, soziale Kompetenzen oder organisatorische Fähigkeiten – der individuelle Charakter des jeweiligen Profils hervorgehoben. „Selbstevaluierung“ durch Schülerinnen und SchülerDer EUROPASS Lebenslauf bietet Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einen klaren, übersichtlichen und auch unter „europäischen“ Gesichtspunkten umfassenden Lebenslauf zu verfassen, der bei einer Bewerbung in Deutschland oder im Ausland nützlich sein kann. Die Inhalte können dabei selbst erstellt und ständig aktualisiert werden. Je nach Wunsch können die Schülerinnen und Schüler weitere Informationen zur Person, zu ihren Sprachkenntnissen oder Arbeitserfahrungen anfügen. Sie können auch darüber hinaus gehende persönliche (kommunikative, kooperative, ...) Fähigkeiten und Kompetenzen beschreiben, die sie im Laufe ihres Lebens z.B. in Nebenjobs, Sport, Kultur, Kunst und Musik erworben haben, die jedoch nicht unbedingt Gegenstand von formalen Zeugnissen sind. Fremdsprachenkenntnisse sind bei beruflich bedingten Auslandsaufenthalten von besonderer Bedeutung. Der EUROPASS Sprachenpass dient der Einschätzung des sprachlichen Niveaus seiner Eigentümerin bzw. seines Eigentümers. Das notwendige Instrumentarium hierzu bietet der „Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen“ [1] . Dem EUROPASS Sprachenpass wird oft vorgeworfen, dass er auf der Selbsteinschätzung der Lerner aufbaut und somit eine nur sehr subjektive Orientierungshilfe ist. Aber gerade diese Fähigkeiten zur „Selbstevaluierung“, die für die Selbsteinschätzung der eigenen sprachlichen Fähigkeiten grundlegend sind, wird von ihnen auf einem globalisierten Arbeitsmarkt und bei Auslandsaufenthalten erwartet. Durch die Beschäftigung mit dem EUROPASS Sprachenpass im Unterricht können die Schüler lernen, sich über die für die Kommunikation nötigen sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen, die dazu gehörigen Kenntnisse und Fertigkeiten in unterschiedlichen Kommunikationssituationen zu orientieren. Berufliche und arbeitsmarktliche BedeutungDer EUROPASS und seine Transparenzinstrumente bringen sowohl für die Schülerinnen und Schüler als Bewerber wie auch für die Personalverantwortlichen der Unternehmen eine Vielzahl von Vorteilen mit sich: Der EUROPASS informiert als offenes System europaeinheitlich und dennoch individuell über Qualifikationen und Kompetenzen von Bewerbern und verspricht den Personalentscheidern mehr Transparenz. Die nationalen EUROPASS CENTER rechnen damit, dass nicht nur die Nachfrage nach dem EUROPASS schnell steigen wird, sondern dass durch das Dokument auch Impulse für eine "grenzenlose berufliche Aus- und Weiterbildung" gegeben werden [2] . Unsere Schüler und Auszubildende sollten deshalb auch im Unterricht am Berufskolleg die Gelegenheit erhalten, einerseits die Rahmenbedingungen der Europäischen Union mit Leben zu füllen und zugleich ihre Chancen durch die Wahrnehmung und Dokumentation solcher Angebote zu erhöhen. Der Unterricht im Berufskolleg kann dazu das notwendige Handwerkszeug vermitteln und „Europa ins Klassenzimmer holen“. Der EUROPASS im UnterrichtDie Steigerung der beruflichen Mobilität während der beruflichen Erstausbildung in Europa ist ein wichtiges Ziel der EU [3] . Dieses „europäische Ziel“ umzusetzen wird von den beteiligten Ländern mit unterschiedlichen Strategien versucht. In Deutschland eröffnete beispielsweise erst die letzte Änderung des Berufsbildungsgesetzes [4] die Möglichkeit der beruflichen Mobilität (im Ausland) während der beruflichen Erstausbildung im dualen System [5] . Vor diesem Hintergrund wurden bisher erfolgreiche Mobilitätsmaßnahmen nur im geringen Umfang (trotz der rechtlichen Rahmenbedingungen) [6] realisiert. Zu Beginn des Jahres 2007 hat die EU eine neue Programmgeneration der allgemeinen und beruflichen Bildung unter dem Namen „Lebenslanges Lernen“ gestartet und ihre Angebote im Bereich von Mobilität in Europa verstärkt. Die Aktivitäten der EU zur Förderung von Mobilität sind für Jugendliche an Berufskollegs von besonderem Interesse. Diese sind vor allem im Hinblick auf den Einstieg und die Gestaltung des zukünftigen Berufslebens ein wichtiges Qualifikationsprofil unserer Schüler und sie ermöglichen es ihnen, im europäischen Ausland berufliche, lebensweltliche sowie sprachliche Erfahrungen zu machen und dadurch ihre Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt deutlich zu vergrößern sowie die Chancen eines verbindenden Europa für sich sinnvoll zu nutzen. Der Kontakt mit Lebensformen, Arbeitsweisen und der Sprache aus anderen Kulturkreisen erhöht Fach- und Sozialkompetenzen und fördert die Persönlichkeitsentwicklung. Letztendlich finden derartige Auslandserfahrungen ihren Ausdruck im EUROPASS-Portfolio, das für Arbeitgeber einen Unterschied zu anderen Bewerbern ausmacht. Dieses dokumentiert, dass die Bewerberin oder der Bewerber sich auf neue Situationen – auch in anderen Kulturkreisen – einstellen und in einer Fremdsprache - auch Fachinhalte - kommunizieren kann. Zudem macht sie Schlüsselkompetenzen deutlich, die auf Grund der zunehmenden Internationalisierung des Arbeitslebens immer wichtiger werden [7] . Die Beschäftigung mit dem EUROPASS im Unterricht bildet also eine wesentliche Vorbereitung für die Entwicklung von beruflicher Mobilität der Schülerinnen und Schüler. Die Jugendlichen werden darauf vorbereitet, sich kurz- oder längerfristig im Ausland aufzuhalten und dort ein Praktikum zu absolvieren und/oder zu arbeiten. Sie erkennen die Notwendigkeit, dass, um berufliche und persönliche Qualifikationen zu steigern, nicht nur das theoretische Wissen über den Berufsalltag in Europa ausreicht. Der Aufenthalt vor Ort ist unerlässlich, um das eigene Wissen zu überprüfen, anzuwenden und zu festigen. Sie lernen die Bedeutung der EUROPASS Transparenzinstrumente kennen: Der EUROPASS Mobilität unterstützt sie darin, darzulegen, was sie (nicht nur) im Ausland gelernt und erfahren haben. Das EUROPASS Portfolio ist wichtig für Bewerbungen im In- und Ausland. Die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen wird ihnen bei der Auseinandersetzung mit dem europäischen Lebenslauf und beim Umgang mit dem Sprachenpass deutlich. Als Einstiegshilfe in das Thema EUROPASS hat die zuständige Nationale Agentur für Leonardo da Vinci Mobilität Unterrichtsmaterialien ins Netz gestellt [8] . Diese Materialien zeigen den Schülerinnen und Schülern die Notwendigkeit und die Vorteile eines Auslandaufenthaltes und können in verschiedenen Unterrichtsfächern (z.B. Deutsch, Religion, Wirtschaft, Politik, ...) eingesetzt werden. Durch die Beschäftigung mit dem EUROPASS holen wir ein Stück Europa in die Klassenzimmer der Berufskollegs, wir machen Europa für die Schülerinnen und Schüler praktisch erfahrbar. Wenn wir uns im Unterricht am Berufskolleg mit dem EUROPASS und seinen Persönlichkeit bildenden Elementen auseinandersetzen, erleben die Schülerinnen und Schüler einen europäischen Mehr- und Gebrauchswert als Produkt ihrer inhaltlichen Auseinandersetzung: Sie haben den europäischen Lebenslauf und den Sprachenpass für ihr Bewerbungsportfolio zur Verbesserung ihrer Zukunftschancen erstellt. Damit halten sie etwas in den Händen, mit dem sie sich auf dem europäischen Arbeitsmarkt sehen lassen können, vorausgesetzt: Wir Lehrerinnen und Lehrer holen mit dem EUROPASS - „Europa ins Klassenzimmer“. [1] Hinweise und Anregungen zur Nutzung als Unterrichtsinhalt finden sich auch unter: http:// www.lehrer-online.de/url/referenzrahmen [2] http://europass-info.de/de/start.asp [3] EMPFEHLUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 18. Dezember 2006 zur transnationalen Mobilität innerhalb der Gemeinschaft zu Zwecken der allgemeinen und beruflichen Bildung: Europäische Qualitätscharta für Mobilität (2006/961/EG) [4] Berufsbildungsgesetz (BBiG) vom 23. März 2005 (BGBl. I S. 931) [5] In Nordrhein-Westfalen besuchten beispielsweise im Schuljahr 2005/2006 insgesamt 313.235 Auszubildende Fachklassen im dualen System. [Das Schulwesen in NRW aus quantitativer Sicht: Schuljahr 2005/2006. MSW NRW Februar 2006] [6] In den Jahren 1998 bis 2004 nahmen nur 5695 Jugendliche in Erstausbildung aus NRW (33.444 bundesweit) am Programm Leonardo da Vinci – Mobilität teil. [Nationale Agentur Bildung beim Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.): Leonardo da Vinci 1998 – 2004 Zahlen, Daten Fakten = Impuls 22] [7] siehe hierzu auch: EMPFEHLUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 18. Dezember 2006 zu Schlüsselkompetenzen für lebensbegleitendes Lernen (2006/962/EG) | Skip Login LoginUpcoming EventsThere are no upcoming events Calendar
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